Entstehung

Entstehung und Entwicklung der Narrenzunft

 

1483 erste urkundliche Erwähnungen. Es gibt u.a. den Bericht über einen Streit zwischen dem Ritter Hans von Enzberg und dem Bürgermeister von Mühlheim über den genauen Tag, an dem die Fasnet gefeiert werden darf; am Montag oder am Dienstag. Gefeiert wird aber auch noch am Aschermittwoch. 

1512 Die Fastnacht war Dienstag noch nicht zu Ende, sondern ging am Aschermittwoch weiter. Der Junker, die Stadtväter und die Bürgerschaft trafen sich an diesem Tag auf dem Rathaus zu einem Trunk. Eingeladen waren nur Hausväter und Bürger. Gewitzten jungen Burschen, die versuchten auch daran teilzunehmen, wurde der Zutritt verboten. Die Kosten für diesen Trunk übernahm, wie bei der Weiberzeche am Donnerstag, die Stadt. 

1667 erste Erwähnung des sogenannten "Weiber-Donnerstags". Die Frauen des Ortes treiben wie die Männer ihr Unwesen und führen das Regiment. Speis und Trank wird von den Stadtvätern spendiert, wobei die Frauen beim Verzehr den Männern nur unwesentlich nachstanden. 

1679 erläßt der Bischof von der Kanzel aus das Verbot, am Aschermittwoch nach dem Gottesdienst noch Fastnacht zu feiern.
Anfang des 19. Jahrhunderts fällt die Stadt Mühlheim an das Königreich Württemberg. Eine königliche Verordnung vom 29.01.1809 verbietet das zuvor geduldete Masken- & Narrenlaufen auf öffentlichen Plätzen und Straßen. Fastnächtliches Treiben ist nur noch im privaten Rahmen oder in Wirtshäusern erlaubt.

1820 erfolgt die Wiederaufnahme des Maskenlaufens
Während des deutsch/französischen Krieges von 1870/71 ist das Maskenlaufen ganz verboten. 

1890 reist Balthasar Leibinger nach Berlin, um seine Schwester zu besuchen. Er hört dort das Singspiel "Ein Wiener in Berlin". Dies bringt ihn auf den Gedanken, etwas vergleichbares auch in Mühlheim aufzuführen. Der Mühlheimer "Sagt-er" war geboren. 

1892 führt Balthasar Leibinger das Sing- und Rügespiel erstmals in Mühlheim auf. Bekleidet mit Frack, Stehkragen und Zylinder besingt er hauptsächlich örtliche Begebenheiten und Kuriositäten an 6 Stellen in der Oberstadt. Ihm folgen die "Sagt-er - Männer" (nicht zu verwechseln mit Hemdglonkern) in weißen Hemden und schwarzen Zipfelmützen. Sie verkörpern Müllersburschen mit mehlbestäubtem Gesicht, die dem Vorsänger jeden Reim mit dem Ausspruch "Sagt-er" bestätigen.

 Erster "Sagt-er"  

 Um die Jahrhundertwende entstehen die ersten Ansätze für ein "Häs"; die Kleidung wird mit Holzspänen beklebt. Aufgrund der Feuergefahr scheitert dieses Unterfangen jedoch. 

1904/05 entsteht das "Labere". Eine Bildtafel mit lustigen oder kuriosen Begebenheiten wird von Lokal zu Lokal getragen und besungen.

1908 Gründung der Narrenzunft Mühlheim/Do. e.V., Gründungsversammlung im Gasthaus "Sternen". Erstmals treten auch "Hansele" mit Spitzhut, Krause, Bluse und Kniebundhose auf. Diese Figur hält sich jedoch nur bis zum ersten Weltkrieg 

1913/14 nimmt sich der Turnverein der Fasnet an und beginnt, sie zu organisieren. Sonntags diverse Aufführungen, Montag ab 6.00 Uhr morgens Fasnetsuchen; ab 9.00 Uhr "Sagt-er" im Städle und nachmittags ein Umzug. Abends dann als Höhepunkt das "Maschgere-Gau". Maskiert ziehen einzelne Personen oder ganze Gruppen durch die Lokale, um den Leuten deren kleine Fehler und Peinlichkeiten "aufzusagen"  

1919 werden die ersten Fasnetsaktivitäten nach dem Krieg vom Stadtkommandant sofort wieder verboten. 

1925 findet eine Versammlung zur Organisation der Fasnet statt. Man erkennt, daß eine "wilde" Fasnet der historischen Bedeutung dieser Sache nicht gerecht werden kann. Es wird der Verein "Fidelitas" gegründet. Zum ersten Vorsitzenden wird einstimmig der Fahrradhändler Josef Lang (Lang-Sepp) gewählt. Die Fidelitas hat schnell eine große Anzahl von neuen Mitgliedern und genießt im ganzen Bezirk hohes Ansehen. 

1927 wird erstmals eine eigene Narrenzeitung herausgegeben, die "Stadtorgel". Nach der durchwegs positiven Reaktion auf die erste Ausgabe wird beschlossen, die Zeitung auch künftig während der Fasnet herauszugeben. 

1928 wird der "Elferrat" gegründet, um die Organisation besser bewältigen zu können. Es werden eigens hierfür einheitliche Häser angeschafft. Der Stückpreis beträgt 8,-- Mark.
Aufgrund der wirtschaftlichen Not wird 1931 auf öffentliche Veranstaltungen verzichtet. Die Mitglieder feiern im"familiären Rahmen" mit Theater und Tanz. 

1933 25-jähriges Jubiläum der Narrenzunft Mühlheim. Außerdem erfolgt die erste Teilnahme an einem Narrentreffen. Mit 2 Omnibussen wird Stockach besucht. 

1934 wird in der Dreikönigsversammlung die Anfertigung des "Mühlheimer Schellennarrs" beschlossen und in einer weiteren Versammlung vor der Fasnet dann als "Original Mühlheimer Narrenkostüm" zusammen mit dem neuen Narrenmarsch der Öffentlichkeit vorgestellt 

1937 erfolgt die Aufnahme der Narrenzunft Mühlheim in die Vereinigung Schwäbisch Alemannischer Narrenzünfte. Im selben Jahr wird erstmals ein Narrenbaum in Mühlheim gestellt. 

 Narrengruppe 1937  

 1950 wird Emil Leibinger aufgrund seiner Verdienste zum ersten Ehrenmitglied der Narrenzunft Mühlheim ernannt. Der Narrenruf lautet zu dieser Zeit noch "Juhu - Juhu". 

1952 wird durch Zunftmeister Heinrich Bizer der neue Narrenruf "Narri-Narro" eingeführt. 

1958 findet der erste Zunftball in der Mühlheimer Festhalle unter Zunftmeister Franz Leibinger statt. Kritik aus den eigenen Reihen wird laut, ob man der Mühlheimer Fasnet mit derartig karnevalistischem Umtrieb überhaupt nützlich sein würde. 50-jähriges Jubiläum der Narrenzunft. 

1961 wird Heiner Lurz neuer Zunftmeister 

1962 werden für den Zunftrat neue Häser angeschafft. Kostenpunkt insgesamt DM 3.000,--. Ebenfalls erhält die Stadtkapelle einheitliche "Bauernhemden". Die Narrenzunft hat 650 Mitglieder. 

1964 wird Heinrich Bizer beim großen Narrentreffen in Offenburg als erstem Mühlheimer Zunftrat die goldene Ehrennadel der V.S.A.N verliehen. 

Am 09./10. November findet in Mühlheim die Jahreshauptversammlung der Vereingung Schwäb. Alem. Narrenzünfte statt. Es sind 49 Zünfte anwesend. 

1965 wird Heinrich Bizer bei einer Kampfabstimmung in der Hauptversammlung der V.S.A.N. in Triberg zum Landschaftsvertreter gewählt. Die Maskenträger beim Montagsumzug in Mühlheim erhalten erstmals "Jahresbändel". 

1966 ernennt die Narrenzunft Mühlheim den Altzunftrat Wilhelm Haas zum Ehrenmitglied. Ebenfalls wird in diesem Jahr der Altzunftratsorden eingeführt. 

1969 entsteht das "Kea-Weib" 

1970 findet das erste Narrentreffen in Mühlheim statt und der neue Narrenbrunnen wird eingeweiht 

1971 wird der Fanfarenzug gegründet 

1972 erfolgt die Ernennung von Heinrich und dessen Ehefrau Paula Bizer zu Ehrenmitgliedern 

1973 wird Josef Buschle Ehrenmitglied 

1974 erhält die Narrenzunft eine neue Satzung. Franz Leibinger wird zum Ehrenmitglied ernannt und in Mühlheim findet zum zweiten Mal die Hauptversammlung der V.S.A.N. statt. 

1975 erfolgt die Einweihung der Zunftstube im Torhaus. 

1977 findet das 2. Narrentreffen in Mühlheim statt. Es nehmen 20 Zünfte teil. 

1979 wird ein neues Zunftratshäs für den Elferrat angeschafft. 

1982 übernimmt Jürgen Leibinger das Amt des Zunftmeisters von Rudolf Seifritz. Die Narrenzunft hat über 1.000 Mitglieder. 

1983 feiert die Narrenzunft Ihr 75-jähriges Bestehen. Da zu diesem Zeitpunkt das genaue Jahr der Gründung allerdings nicht mehr bekannt ist, finden auch keinerlei Feierlichkeiten statt. 

1985 stirbt Jürgen Leibinger im Alter von 33 Jahren, neuer Zunftmeister wird Othmar Seifritz. 

1987 findet das 3. Narrentreffen mit insgesamt 30 Zünften statt. Im Alter von 63 Jahren stirbt am 20. November Ehrenmitglied Heinrich Bizer. 

1992 wird die Ausstellung "100 Jahre Sagt-er" im Vorderen Schloß durchgeführt. Bei der Jubiläumsaufführung während der Fasnet nehmen insgesamt 230 Männer daran teil. 

1993 Bei der Hauptversammlung der V.S.A.N. in Singen wird Ekkehard Förster zum Landschaftsvertreter Donau gewählt und ist damit der zweite Mühlheimer Zunftrat nach Heinrich Bizer, der dieses Amt bekleidet. 

1993 übergibt Othmar Seifritz das Amt des Zunftmeisters an Rainer Langeneck. Harald Irion, der Chefredakteur der Stadtorgel, wird Ehrenmitglied. 

1994 erstmalig versuchen einige hartnäcktige das Narrenbaumfällen zu verhindern, bzw. hinauszuzögern. 

1995 feiert der Fanfarenzug der Narrenzunft sein 25-jähriges Jubiläum. Die Narrenzunft hat ca. 1.200 Mitglieder. 

1997 die "Stadtorgel", die Mühlheimer Fasnetszeitung, feiert ihr 70-jähriges Bestehen. Die erste Ausgabe wurde im Jahr 1927 als "Zentralorgan der verrückten Fidelitas" verkauft. Eckart Haas und Ekkehardt Förster werden aufgrund ihrer Verdienste für die Narrenzunft zu Ehrenmitgliedern ernannt. 

1999 aufgrund der wenigen vorhandenen Unterlagen plant die Narrenzunft ihr 75-jähriges Jubiläum im Jahr 2000. Bei der Durchsicht der "Stadtorgel"-Exemplare fällt hierbei die Ausgabe von 1933 auf. In dieser wird auf das 25-jährige Jubiläum der Narrenzunft Mühlheim hingewiesen, die im Jahre 1908 im Gasthaus "Sternen" von einigen engagierten Narren gegründet wurde. Die Planungen für das Jubiläum konnten noch rechtzeitig auf Eis gelegt werden. 

2000 wird das langjährige Zunftratsmitglied Karl Lang zum Ehrenmitglied ernannt. 

2002 In der ausserordendlichen Mitgliederversammlung beschliesst die Narrenzunft Mühlheim den Kauf des "Irion-Hauses". Das Haus wird künftig für vielfältige Zwecke wie Archiv, Kleiderkammer, Werkstatt, Ausstellungsort und als allgemeiner Treffpunkt genutzt werden. Das langjährige Zunftratsmitglied Alois (Weddler) Wiser wird zum Ehrenmitglied ernannt.  

2003 wird das langjährige Zunftratsmitglied Kurt Waizenegger zum Ehrenmitglied ernannt. 

2005 bei der Hauptversammlung übergibt Rainer Langeneck das Amt des Zunftmeisters an Michael Frick.  

2006 Das langjährige Zunftratsmitglied Klaus Deufel wird zum Ehrenmitglied ernannt. 

2008 Die Narrenzunft Mühlheim feiert 100 Jahre organisierte Fasnet. Nach 21 Jahren findet das 4. Narrentreffen in Mühlheim statt. Seitens der Narrenzunft wird das Buch über die Fasnet mit dem Titel "z`Mille lebet 1000 Narre" herausgegeben. Christof Heppeler, der federführend das Buchprojekt geleitet hat, erhält hierfür im Rahmen der Buchpräsentation den Orden für besondere Verdienste der Narrenzunft Mühlheim. 

2009 Zwei weitere Jubiläen sind zu feiern: 75 Jahre Schellennarr, 40 Jahre Kia-Weib. Im Vorderen Schloss wird eine Ausstellung über die Fasnet in Mühlheim gezeigt.


Rainer Langeneck wird für langjährige Tätigkeit als Zunftrat und an der Spitze des Vereins als Zunftmeister zum Ehenmitglied ernannt.
Für die langjährige Gestaltung des Zunftballs erhält Margit Leibinger den Orden für besondere Verdienste der Narrenzunft Mühlheim.
Bei der Hauptversammlung übergibt Michael Frick das Amt des Zunftmeisters an Uwe Heßlinger.